Akuelle Meldungen zur ASP

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Afrikanische Schweinepest auf dem Vormarsch

Aktuelle Informationen zur Lage in Belgien

Die belgischen Behörden haben um die Fundorte der Kadaver ein 63 000 ha grosses Risikogebiet eingerichtet. Dort ist, wie der zuständige Landwirtschaftsminister der Region Wallonien, René Collin, mitteilte, jegliche Jagdausübung verboten. Ziel sei es, die Population möglicherweise infizierter Wildschweine im Gebiet zu halten und das Virus nicht weiter zu verbreiten.

Nach dem erstmaligen Ausbruch der Seuche in Belgien und damit auch in Westeuropa am 13. September richteten die Behörden ein 63.000 ha grosses Sperrgebiet in der belgischen Region Luxemburg ein. Nun hat dieses Sperrgebiet drei Zonen. Im rund 12.5000 ha grossen Kern sind die Auflagen wie Fütter- und Jagdverbot sowie Bewegungs- und Bewirtschaftungsverbot am strengsten. Zudem wird dort aktiv nach verendeten Wildschweinen gesucht, deren Kadaver auf das ASP-Virus untersucht werden. Das Betreten und die Bewirtschaftung der äussersten Zone ist nach Genehmigung zumindest tagsüber erlaubt. Die Massnahmen wurden nach Angeben des Ministeriums in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission erstellt und gelten vorerst bis zum 14. November 2018.

Frankreich verschärft Sicherheitsmassnahmen gegen ASP
Gleichzeitig verschärft Belgiens Nachbarland Frankreich die Präventionsmassnahmen gegen das Einschleppen der ASP. Die Jagd in insgesamt 134 Gemeinden in den Departements Ardennen, Meuse, Meurthe und Moselle mit besonderen Beobachtungszonen an der Grenze zu Belgien wurde verboten. Das teilte das Pariser Landwirtschaftsministerium vergangene Woche mit. Zusätzlich werden die Biosicherheitsmassnahmen in den normalen Beobachtungszonen, die an diese Departements angrenzen, verschärft. Hier müssen alle Transportfahrzeuge für Schweine komplett gereinigt und desinfiziert werden. Freilandhaltungen von Schweinen müssen zum Schutz vor der Seuche doppelt eingezäunt werden.

Neben diesen Biosicherheitsmassnahmen soll mit dem Bau eines ASP-Schutzzauns an der französisch-belgischen Grenze begonnen werden. Zusätzlich wurden in 41 Gemeinden der Zugang zu den Wäldern verboten.


In der betroffenen Region - der Provinz Luxemburg - hat das Land die Schlachtung von 4.000 Hausschweinen angeordnet. Auf 58 Betrieben sollen nun rund 4.000 Hausschweine getötet werden, um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu verhindern. Das bestätigte Landwirtschaftsminister Denis Ducarme. "Wir wollen damit eine Katastrophe verhindern", erklärte Ducarme.

Mittlerweile gibt es 80 bestätigte ASP-Fälle in der Region Wallonien, alle betreffen Wildschweine. Um den Ausbruchsherd wurde ein Radius von 20 km gezogen, in diesem Gebiet sollen alle Hausschweine geschlachtet und anschliessend verbrannt werden. Mit dieser entschiedenen Massnahme soll die Gefahr einer Ansteckung verhindert werden. Ansonsten drohten Vermarktungsschwierigkeiten für rund 6,5 Mio. Schweine, die in Belgien gehalten werden, führte der Minister aus.
Die Behörden vor Ort haben in Abstimmung mit der Europäischen Union Massnahmen ergriffen, um eine Verbreitung des für Schweine hochansteckenden Virus zu verhindern. Dazu zählen im ganzen Land ein Verbot von Schweinesammeltransporten und erhöhte Biosicherheitsmassnahmen beziehungsweise Desinfektionsvorschriften. Im Infektionsgebiet dürfen Schweine nur mit behördlicher Genehmigung transportiert werden.

Nach weiteren ASP-Funden in verendeten Wildschweinen verschärfte Collin die Einschränkungen in Übereinstimmung mit der EU-Kommission. Das betroffene Waldgebiet darf seitdem weder von der breiten Öffentlichkeit noch von Waldarbeitern betreten werden.

Geprüft werde derzeit, wie weit die Einrichtung von Schutzzäunen möglich sei. Insgesamt habe die wallonische Regierung 1 Mio. € für Massnahmen zur Bekämpfung der ASP bereitgestellt.
Wie der Minister gegenüber dem belgischen Nachrichtensender RTBF sagte, sei das Ziel, die Wildschweinpopulation in dieser Zone komplett auszurotten. Auch ausserhalb dieses Gebiets müsse der Wildschweinbestand stark reguliert werden. Für seinen Aufruf an die Jäger, besonders Bachen ins Visier zu nehmen, habe er in den sozialen Netzwerken sogar Todesdrohungen erhalten, so der Minister weiter.
Abschliessend wies Collin auf die hohe Bedeutung hin, andere EU-Mitgliedstaaten über die Gefahr einer Verschleppung des Virus durch den Menschen aufzuklären. Ein kleines Stück einer Semmel mit infiziertem Schweinefleisch könne genügen, um einen Seuchenfall auszulösen.
Der Gouverneur der belgischen Provinz Luxemburg, Olivier Schmitz, betonte seinerseits am Dienstag: „Es ist entscheidend, dass auch die Öffentlichkeit Verantwortung übernimmt. Alleine schaffen wir es nicht.“

Belgiens Landwirte hätten mehr erwartet
Während Collin auch Gespräche mit EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis suchte, zeigten sich die belgischen Landwirte vom Krisenmanagement ihrer Behörden wenig beeindruckt. In einer Pressemitteilung von vergangener Woche beklagt der belgische Bauernbund, dass „derzeit keiner weiss, wie es weitergehen soll“. Einen realistischen Krisenplan, der einigermaßen Aussicht darauf bieten könnte, die ASP auszurotten oder die Lage zumindest unter Kontrolle zu halten, gebe es nicht. Wie weit es gelingen könne, die Schwarzwildbestände auf null zurückzufahren, sei fraglich.
Weil man sich womöglich auf ein Leben mit der ASP einstellen müsse, müssten die Anstrengungen darauf konzentriert werden, eine Verschleppung in Hausschweinbestände mit allen Mitteln zu verhindern. Dies hätten vor allem die rund 4200 belgischen Schweinehalter in der Hand, die nun verstärkt auf Biosicherheitsmassnahmen achten müssten.
Übereinstimmend forderten belgische Bauernverbände, BFA und Febev bereits vergangene Woche ein koordiniertes Vorgehen gegen die ASP. Für die Handhabung der Seuche im Sperrgebiet brauche es ein europäisches Herangehen, insbesondere weil ein Übergreifen auf Frankreich und Luxemburg zu befürchten sei.


Nach Informationen des Präsidenten des Königlichen St. Hubert Jagdclubs von Belgien, Benoit Petit, befinden sich nach Schätzungen der Jäger in der abgesperrten Risikozone etwa 2.500 Wildschweine.
Warum tötet man nicht zuerst die Wildschweine, anstatt 4.000 Nutztiere aus den Mastbetrieben Not zu schlachten, obwohl doch bisher kein einziger ASP-Fall bei Hausschweinen in Belgien aufgetreten ist?, fragen belgische Tierhalter besorgt.

Der Präsident des Belgischen Jagdclubs, Benoit Petit, hält den Abschuss aller Wildschweine in der Risikozone zum gegenwärtigen Zeitpunkt für nicht machbar.
„Dies wäre absolut kontraproduktiv und macht keinen Sinn, den Versuch unternehmen zu wollen, Tausende Wildschweine zu bejagen“, entgegnet Benoit Petit. Dies würde nur dazu führen, dass die schlauen Wildschweine aufgeschreckt und sich unkontrolliert weiterverbreiten würden.

EU-Seuchenexperte rechnet mit Hunderten weiteren Wildschweinkadavern im Sperrbezirk in den kommenden Monaten.
Landwirte in der Risikozone führen zunehmend Klage, dass auf ihren Kulturflächen und erst kürzlich angesäten Feldern zunehmend Schäden durch Wildschweinrotten auftreten. Den Jägern sind jedoch die Hände gebunden, weil ihnen jegliche Jagdtätigkeit untersagt ist.

Dass auch die Jäger mit wahrscheinlich grossen finanziellen Einbussen rechnen müssen, scheint unausweichlich. Ein EU-Seuchenexperte kündigte an, dass auf zwei Jahre hin die normale Jagd in dem betroffenen Gebiet nicht mehr möglich sein werde. Der Virus, der nach bisherigen Erkenntnissen Anfang August in Wallonien eingeschleppt worden sein könnte, wird wohl erst in kommenden vier bis sechs Monaten seinen Höhepunkt erreichen.

Hunderte Wildschweine würden dann verenden, mutmasst der EU-Seuchendienst. Nächstes Jahr müsse man dann, so die EU-Kommission, alle Wildschweine in der Region töten. Wenn es so gelänge den Virus auszurotten, könne frühestens 2020 wieder eine normale Jagdtätigkeit aufgenommen werden in der Region

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